2007-11-25T11:18:18
Bevor die Schulter schmerzt (Teil 2)
Problem Muskelverkürzung

Viele Muskeln weiden kürzer, wenn sie einseitig bewegt und nicht regelmässig gedehnt werden. Dadurch wirken zunehmend stärkere Zugkräfte auf die knöchernen Partner, zwischen denen die Muskeln arbeiten. Es wäre jetzt Aufgabe des jeweiligen muskulären Gegenspielers, diese veränderten Zugspannungen zu korrigieren. Da das Skelett aber den neuen Kräfteverhältnissen folgt, wenn der korrigierende Gegenzug zu schwach ist, kommt es zwangsläufig zu Veränderungen in der Raumgeometrie des Skelettes selbst. So verkleinern sich knöcherne Lücken, wie sie zwischen Schulterblattdach und Oberarmkugel bestehen und werden allmählich zu Engpässen. Da aber Sehnen diesen verengten Raum durchziehen und die Knochenlücke beim Heben des Armes noch den entgegengleitenden Schleimbeutel aufnehmen muss werden diese Weichteilstrukturen zunehmnd mechanisch gereizt. Die Folgen sind schmerzhafte Entzündungen des Schleimbeutels und der Sehne. Das seitliche Armheben schmerzt innerhalb eines bestimmten Bewegungsabschnittes.
Weiteres Problem: Jede einseitig betätigte und ungedehnte Muskulatur wird hart und verspannt. Im Muskelgewebe kommt es zu sulzigen druckschmerzhaften Verquellungen (Myogelosen). Man findet sie oft im Trapezius-Bereich (schwarze Linie, linke Schulter). Die dunkelgrau markierten Muskelgruppen sind besonders anfällig für Verkürzungen und die beiden Pfeile zeigen den problematischen knöchernen Engpass zwischen Schulterblattdach und Oberarmkopf.
Reizung der Sehnenansätze
Muskelüberlastungen führen oft zu schmerzenden und druckempfindlichen
Sehnensätzen. Das Problem stellt sich uns bei zu starken Zuggewichten oder beim
Ziehen aus der Schulter mit geringem Einsatz der tieferen Rückenmuskulatur.
Problemstellen sind hier
- die lange und kurze Bizepssehne
- die Ansätze des Kapuzenmuskels (M. deltoideus, oben im Bild die Nr. 3)
- die am Oberarm ansetzende rückwärtige Schultermuskulatur.
Besonders reiz- und degenerationsanfällig ist auch die lange Bizepssehne, denn sie durchquert den Gelenkinnenraum, bevor sie am vorderen äusseren Drittel des Schultergelenks austritt.
Erfahrene Schützen wie G. Fred Asbell und andere warnen vor zu hohen Zuggewichten.
RogerAscham beschreibt in seinem mittelalterlichen Werk Taxophilus die richtige Zugtechnik,
The drawynge, sinngemäss so:
Lehne Dich beim Ziehen in den
Bogen, so, als ob Du den Oberkörper zwischen Bogen und Sehne
bringen wolltest und ziehe dabei die Schulterblätter soweit zusammen,
als sollten sie sich berühren
Während die erste Empfehlung mehr eine mentale und überaus empfehlenswerte Übung ist, zielt die zweite auf den Einsatz der tieferen Rückenmuskulatur, die in schrägen Zügen zwischen Schulterblattinnenkante und Wirbelsäule verläuft. (hellgrauer Punkt im oberen Bild).
Therapiemöglichkeiten und Übungen
Leider wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig über die Behandlungsmöglichkeiten informiert, die manuelle Therapien wie die Osteopathie mit ihren zahlreichen Mobilisations-, Dehnungs- und Weichteiltechniken hat. Gleiches gilt für die entstauenden, ausleitenden und durchblutungsfordernden Behandlungsformen wie das Schröpfen, gezielte Injektionstherapien mit homöopathischen Medikamenten oder Neuraltherapeutika, die regenerierend, schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken, und regulative Reiztherapien wie die Akupunktur. Deshalb sollte man sich über diese Behandlungsmöglichkeiten gründlich informieren.






